Im Jahr 2018 habe ich Gedichte entdeckt, die ich zu Manuels Geburt geschrieben habe. Sie wurden im Wir-Magazin veröffentlicht.

 

Du kleines Zellenbündel –

machst Dich ganz groß.

Unsere Körper und Gedanken nimmst du gefangen,

obwohl nur wenige Millimeter groß.

 

Wenige Millimeter großer Winzling,

du wächst uns über den Kopf.

Ein größeres Auto muss her,

eine größere Wohnung.

Wenige Millimeter großer Winzling.

 

Zelltröpfchen.

Zelle.

Wird groß.

Wird größer.

Strampelt.

Schreit.

Schläft.

Trinkt.

Lächelt.

 

Ich seh dich nicht,

ich sprech mit dir.

Schläfst du noch?

Zartes Strampeln.

Du reagierst im Mutterleib.

Ein kleines Wesen des Lebens.

 

Das Ungeborene im Mutterleib

hört den Vater nur

Kuss schmatzend,

Wohlgrummelnd,

Liebesbrummelnd.

Welch ein Schock wird es sein,

zu hören, wie er Worte artikuliert.

 

Doch dann warst du da.

Blutverschmierter Winzling,

nach deinem ersten Lebenskampf,

zusammengepresst die Lippen,

blau-weiß-rosa der Kopf.

Der Schrei ein Echo auf Mutters Schrei.

Doch dann, dann warst du da.

Gewaschen.

Unbeschreiblich.

Spielst mit Fingerchen und Minizunge.

Kannst dich endlich strecken.

Und sehen! Und schrein!

 

 

Kleiner, wisse,

wie schwer Deine Mutter um Dich gekämpft.

Wir beide können es nicht ermessen.

 

Du magst das Kleid des Kreißsaals nicht,

fängst an zu schreien.

Kleiner Wicht, wirst du dann groß, sag: Nein!,

wenn etwas dir nicht passt, sag: Nein!

Wenn Menschen tun, was du missbilligst, sag: Nein!

Und mach nicht mit, auch mit wunder Seele, sag: Nein!

Aber sag: Ja! - zum Leben, zur Liebe, zur Hoffnung, zum Glauben.

 

 

Mutter und Du,

Ihr ward eins -

doch nicht ganz.

Ihr seid es nicht mehr.

Doch dein Weh bleibt ihr Weh

Dein Glück bleibt ihr Glück.

Mutter und Du,

Ihr seid nicht mehr eins -

doch nicht ganz.

Immer bleibst du ihr Kind

Auch wenn du die Ferne suchst.

 

 

Der Winzling zieht Grimassen,

kitzelt die Seele,

sie muss lachen.

 

 

Er war so müde –

sogar das Bäuerchen schlief ein.

 

**

 

Jetzt wirst du, kleines Wesen,

kein Septemberkind mehr sein,

sondern Kind des Oktoberherbstes, des kalten Sturms,

der Zeit fallender Blätter, des weißen Nebeltuchs.

Darum muss der Name Pascal (der Österliche)

Dir das Licht geben im umgebenden Sterben und Tod.